Post im Briefkasten, 17. Dezember 2016

An all unsere Lieben!

Vorab: es geht uns trotz aller Wehwehchen sehr gut!!!

Wir haben unsere Entscheidung, nach Südafrika zu gehen, noch keine Sekunde bereut!

Jetzt der Reihe nach:

Ende September sind wir nach Kapstadt geflogen und haben uns bei unserer Tochter und Schwiegersohn im Gästezimmer einquartiert. Wir haben die Einliegerwohnung renoviert und eingerichtet und hatten vor allem sehr viel Spaß mit unserem Enkel. Ein lächelnder Sonnenschein, den ganzen Tag, nur nachts will er leider auch noch bespasst werden.

Mitte September kam dann planmäßig und wohlbehalten unser Fahrzeug (Monika nennt ihn „kleiner Elefant“, ich nenne ihn Bremach, nach seiner Marke) in Port Elisabeth an. Die Fahrt nach Kapstadt, ca.700 km, wollten wir für eine erste kleine Tour und ein paar offroad-Erfahrungen nutzen. Zumindest teilweise konnten wir welche machen, bis nach 10 Tagen ein Hilferuf von unserer Tochter kam. Alle waren sie krank. Und wenn dann mal Vater/Opa und Mutter/Oma erreichbar sind, dann helfen sie doch gerne.

Mitte November, wir hatten gerade die Einliegerwohnung bezogen, kamen unser Sohn mit Freundin für 2 Wochen auf Urlaub. Diese Zeit war auch für uns wieder Urlaubsmodus. Wir haben viel gemeinsam unternommen, verbunden mit gutem Essen und gutem Wein.

Zwischendurch hatten wir bereits auch anderen Besuch. Einmal von der Tochter meinenes Freundes aus Lübeck, und einmal vom Sohn Stuttgarter Freunden. Alle auf Tour durch das südliche Afrika, und für alle hatten wir neue Visa-Kreditkarten, die ihnen unterwegs geklaut oder gar geraubt wurden. Auch Monika hat ein Trickbetrüger die Karte gestohlen und Geld abgehoben. Aber online ist heute ja viel möglich und nach einigem Hickhack mit Strafanzeige bei der südafrikanischen Polizei wurde der Schaden behoben.

Nachdem unser Sohn mit Freundin wieder abgereist waren, haben wir uns auf unsere Namibia-Tour vorbereitet. Dazu gehörte unter anderem noch ein Offroad-Training. Unglaublich, was unser Bremach alles kann. Obwohl hier einiges an unterschiedlichsten Offroad-Vehicles unterwegs ist, finden wir hier überall Beachtung. Mehrfach haben Freaks (allte Offroader) vor unserem Fahrzeug gekniet und sich verneigt. Die spinnen, die Freaks! Auch wenn ich Motor und Getriebe immer noch nicht zerlegen kann, beherrsche ich das Fahrzeug inzwischen sehr gut und weiß, was ich ihm zumuten kann. Auch Monika hat ihre „Bedenken“ verloren (wenn es denn mal holterdipolter in Schräglage oder steil bergan geht, sodass man nur noch in den Himmel sieht)… Der Bremach macht Laune!!!

Jetzt sind wir seit über einer Woche unterwegs nach Namibia und stehen bei Springbok, ca. 120 km vor der Grenze. Der Weg führte uns von Kapstadt aus, entlang der Westküste, vorbei an Langebaan, dem Kite-Surfer-Mekka schlechthin, den Westcoast Nationalpark weiter, über die Obstfarm von Kapstadter Verwandschaft bei Piketberg, auf den Perdekop, zurück an die Küste in die Doringbaai, zur weltweit einzigen Winefarm direkt am Meer!, weiter über Strandfontain, nach Hondeklipbaai – hier gibt es nichts, nur Sand und Meer und ein paar Hütten, entlang der Diamantenküste (Schürffelder, Sperrgebiet) bis nach Springbok.

Es ist sehr sehr heiß, so um die 40 Grad, furztrocken und meistens windig. Man kann`s aushalten, aber Barfußlaufen ist eingeschränkt.

Ganz verlieren wir den Kontakt zur realen Welt nicht. Wir sollten jede Woche einen online-Tag haben, weil es immer noch und immer wieder Dinge in Stuttgart zu erledigen gibt, auch wenn uns unser Sohn samt Freundin da oft eine große Hilfe ist. Aber stressen lassen wir uns davon nicht mehr.

Wir denken oft an Euch, ich auch an meinen Bruder und meine Eltern. Noch nicht wehmütig, aber doch daran, was und wen wir alles zurückgelassen haben. Irgendwann wird es auch unseren Blog geben. Monika arbeitet daran, aber eben afrikanisch (soll heißen, es kann dauern).

Wir sind entspannt und freuen uns auf alles, was wir noch sehen und erleben dürfen.

Habt auch Ihr eine schöne Zeit, bleibt gesund und fühlt Euch umarmt,

Reinhard und Monika